Fachkräftemangel
Was ist Fachkräftemangel?
Fachkräftemangel liegt vor, wenn die Nachfrage nach qualifiziertem Personal dauerhaft über dem Angebot liegt. Er unterscheidet sich vom allgemeinen Arbeitskräftemangel. Beim Fachkräftemangel gibt es zwar Bewerber, aber ihnen fehlen die geforderten Kenntnisse, Abschlüsse oder Zertifikate.
Zwei Ursachen treiben die Entwicklung in Deutschland.
- Demografische Wandel: Die geburtenstarken Jahrgänge der Babyboomer gehen schrittweise in Rente. Es rücken deutlich weniger junge Fachkräfte nach.
- Qualifikationslücken: Anforderungen in der Produktion verändern sich durch Automatisierung und Digitalisierung schneller, als sich Beschäftigte weiterbilden.
Hinzu kommt ein struktureller Effekt im Schichtbetrieb. Arbeit in Wechselschicht oder Nachtschicht gilt für viele Bewerber als weniger attraktiv. Produzierende Unternehmen konkurrieren daher nicht nur um Fachkräfte, sondern auch um deren Bereitschaft zur Schichtarbeit.
Wie zeigt sich der Fachkräftemangel in der Industrie?
Im Werksalltag wird der Fachkräftemangel selten als abstrakte Statistik sichtbar. Er zeigt sich in konkreten Planungsproblemen:
- Offene Stellen bleiben über Monate unbesetzt, besonders bei Instandhaltung und Anlagenführung.
- Einzelne Schlüsselqualifikationen liegen nur bei wenigen Personen. Fällt eine dieser Personen aus, steht im schlimmsten Fall die Linie.
- Schichtpläne lassen sich nur mit Überstunden und kurzfristigen Einspringen füllen. Das erhöht die Belastung der Stammbelegschaft.
- Erfahrene Mitarbeiter gehen in Rente und nehmen Wissen mit, das nirgends dokumentiert ist.
Ein Beispiel: Ein Werk fährt ein vollkontinuierliches Schichtsystem mit vier Schichtgruppen. Nur drei Mitarbeiter besitzen die Berechtigung für eine bestimmte Anlage. Zwei davon erreichen in den nächsten Jahren das Rentenalter. Ohne rechtzeitige Nachqualifizierung entsteht hier ein planbarer, aber oft übersehener Engpass.
Wie wirkt sich der Fachkräftemangel auf Produktionsbetriebe aus?
Der Fachkräftemangel wirkt direkt auf Kosten, Qualität und Liefertreue. Unbesetzte Stellen bedeuten Mehrarbeit für die vorhandene Belegschaft. Dauerhafte Überstunden erhöhen Krankenstand und Fluktuation. So verschärft sich der Engpass weiter.
Zudem steigt das Ausfallrisiko. Wenn Qualifikationen nur bei einzelnen Personen liegen, hängt die Produktion an wenigen Köpfen. Werksleiter und Produktionsplaner müssen deshalb wissen, welche Qualifikationen im Team vorhanden sind und wo Lücken drohen.
Wer den Fachkräftemangel ernst nimmt, plant vorausschauend statt reaktiv. Dafür gibt es vier bewährte Hebel:
- Qualifikationsmanagement: Vorhandene Kompetenzen systematisch erfassen, Lücken erkennen und gezielt weiterbilden. Eine Qualifikationsmatrix macht sichtbar, wer was kann.
- Flexible Arbeitszeitmodelle: Teilzeit im Schichtbetrieb, Wunschdienstpläne oder Gleitzeit in Randbereichen machen Schichtarbeit attraktiver.
- Mitarbeiterbindung: Faire und verlässliche Schichtpläne, frühzeitige Kommunikation und Mitsprache senken die Fluktuation.
- Effiziente Personaleinsatzplanung: Vorhandenes Personal so einsetzen, dass Qualifikationen optimal genutzt werden und Überlastung einzelner Teams vermieden wird.
So managen sie den Fachkräftemangel mittels Workforce-Management-Software
Eine Workforce-Management-Software (WFM-Software) löst den Fachkräftemangel nicht. Sie hilft aber, seine Folgen zu beherrschen und vorhandenes Personal besser zu nutzen.
Konkret bedeutet das: Die Software hinterlegt Qualifikationen, Zertifikate und Berechtigungen direkt am Mitarbeiterprofil. Bei der Schichtplanung prüft das System automatisch, ob jede Position mit einer passend qualifizierten Person besetzt ist. Engpässe fallen auf, bevor sie zum Problem werden.
Auslaufende Zertifikate meldet das System frühzeitig. So planen Produktionsleiter Nachschulungen rechtzeitig ein. Auswertungen zeigen, welche Qualifikationen nur bei wenigen Personen liegen. Das ist die Grundlage für gezielte Weiterbildung und Nachfolgeplanung.
Auch flexible Arbeitszeitmodelle lassen sich digital abbilden. Mitarbeiter geben Verfügbarkeiten und Schichtwünsche über eine App an. Offene Schichten schreibt der Planer digital aus. Das entlastet Planer und macht Schichtarbeit für Bewerber und Belegschaft attraktiver.
Häufige Fragen zu Fachkräftemangel
In welchen Branchen ist der Fachkräftemangel am größten?
Besonders betroffen sind Pflege und Gesundheit, Handwerk und Bau, Metall- und Elektroberufe, IT sowie Logistik. In der Produktion fehlen vor allem Facharbeiter mit Spezialkenntnissen, etwa Anlagenführer, Instandhalter und Elektrofachkräfte.
Regionale Unterschiede sind groß. Aktuelle Zahlen veröffentlichen die Bundesagentur für Arbeit und das Institut der deutschen Wirtschaft regelmäßig.
Was unterscheidet Fachkräftemangel und Arbeitskräftemangel?
Fachkräftemangel bedeutet: Es fehlen Bewerber mit einer bestimmten Qualifikation, etwa ausgebildete Elektroniker. Arbeitskräftemangel bedeutet: Es fehlen Arbeitskräfte insgesamt, unabhängig von der Qualifikation.
Durch den demografischen Wandel entwickelt sich Deutschland zunehmend vom reinen Fachkräftemangel zum breiten Arbeitskräftemangel. Beides erfordert unterschiedliche Gegenmaßnahmen.
Was können Unternehmen kurzfristig gegen Fachkräftemangel tun?
Kurzfristig wirkt vor allem die bessere Nutzung der vorhandenen Belegschaft: Mehrfachqualifizierung über eine Qualifikationsmatrix, faire und verlässliche Schichtpläne gegen Fluktuation, Abbau von Leerlauf durch präzise Personaleinsatzplanung und flexible Arbeitszeitmodelle für zusätzliche Zielgruppen.
Diese Hebel liegen im eigenen Einflussbereich und wirken schneller als externe Personalsuche.
Wie hilft Weiterqualifizierung der eigenen Belegschaft gegen den Fachkräftemangel?
Wer vorhandene Mitarbeiter gezielt weiterqualifiziert, besetzt Engpasspositionen aus den eigenen Reihen und reduziert die Abhängigkeit vom leeren Arbeitsmarkt. Eine Skill-Gap-Analyse zeigt, wo Schulungen den größten Effekt haben.
Zusätzlich steigt die Bindung: Entwicklungsperspektiven gehören zu den wichtigsten Gründen, warum Fachkräfte im Unternehmen bleiben.






