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Überstunden

Was sind Überstunden?

Überstunden leistet, wer länger arbeitet, als sein Arbeitsvertrag oder Tarifvertrag vorsieht. Maßstab ist die vertraglich vereinbarte Arbeitszeit, nicht das Gesetz.

Darin liegt der Unterschied zur Mehrarbeit: Sie beginnt erst, wenn die gesetzliche Höchstarbeitszeit überschritten wird. Ob Überstunden ausgezahlt oder in Freizeit ausgeglichen werden, regeln Vertrag, Tarifvertrag oder Betriebsvereinbarung.

Überstunden oder Mehrarbeit?

Ein Beispiel macht die Abgrenzung greifbar. Ein Mitarbeiter mit einem 35-Stunden-Vertrag arbeitet in einer Woche 39 Stunden. Er leistet vier Überstunden. Mehrarbeit liegt nicht vor, solange er die gesetzlichen Grenzen einhält.

Beide Begriffe können aber zusammenfallen, etwa bei sehr langen Tagen. Die gesetzlichen Höchstgrenzen, Aufzeichnungspflichten und Bußgeldrisiken behandelt der Eintrag Mehrarbeit.

Wann dürfen Überstunden angeordnet werden?

Eine einseitige Anordnung braucht eine Grundlage. Sie steht üblicherweise im Arbeitsvertrag, im Tarifvertrag oder in einer Betriebsvereinbarung. Fehlt eine solche Klausel, besteht grundsätzlich keine Pflicht zu Überstunden. Ausnahmen gelten für echte Notfälle, etwa bei Gefahr für Anlagen oder Personen.

In Betrieben mit Betriebsrat kommt die Mitbestimmung hinzu. Die vorübergehende Verlängerung der betriebsüblichen Arbeitszeit ist zustimmungspflichtig nach § 87 BetrVG. Bei Teilzeitkräften gilt besondere Vorsicht: Zusätzliche Stunden setzen eine entsprechende Vereinbarung voraus.

Vergütung oder Freizeitausgleich?

Angeordnete oder geduldete Überstunden sind grundsätzlich auszugleichen. Dafür gibt es zwei Wege:

  • Auszahlung: Die Stunden werden mit dem üblichen Stundensatz vergütet. Ein gesetzlicher Zuschlag existiert nicht. Zuschläge, oft 25 Prozent, ergeben sich nur aus Tarifvertrag, Betriebsvereinbarung oder Arbeitsvertrag
  • Freizeitausgleich: Die Stunden werden durch freie Zeit abgegolten, etwa durch einen früheren Feierabend oder eine ganze Freischicht

Welcher Weg gilt, sollte vor der ersten Überstunde geregelt sein. Unklare Absprachen sind einer der häufigsten Streitpunkte vor Arbeitsgerichten.

Arbeitszeitkonto und Nachweis

In Schichtbetrieben laufen Überstunden meist über ein Arbeitszeitkonto. Plusstunden werden gutgeschrieben und später durch Freizeit oder Auszahlung ausgeglichen. Das schafft Flexibilität für Auftragsspitzen.

Der Nachweis ist entscheidend. Nach der Rechtsprechung muss im Streitfall der Mitarbeiter darlegen, wann er Überstunden geleistet hat und dass der Arbeitgeber sie angeordnet, gebilligt oder geduldet hat.

Eine lückenlose Zeiterfassung nimmt beiden Seiten dieses Risiko. Arbeitgeber sind nach der Rechtsprechung ohnehin verpflichtet, die Arbeitszeiten ihrer Beschäftigten systematisch zu erfassen.

Überstunden abbauen

Aufgelaufene Stunden sollten planvoll abgebaut werden, nicht zufällig. Bewährt haben sich drei Ansätze:

  1. Abbau in bedarfsschwache Zeiten legen, etwa nach dem Ende einer Auftragsspitze
  2. Ganze Freischichten statt vieler einzelner Kurztage einplanen. Das entlastet spürbarer
  3. Kontogrenzen definieren: Ab einem festgelegten Saldo wird der Abbau verbindlich eingeplant

So bleibt das Arbeitszeitkonto im Gleichgewicht und die Belastung im Team sichtbar.

Überstunden in Workforce-Management-Software

Eine Workforce-Management-Software macht Überstunden steuerbar statt nur sichtbar. Ein Beispiel aus einem Verpackungsbetrieb: Im vierten Quartal steigt der Auftragseingang. Der Planer sieht in der Personaleinsatzplanung die Salden aller Arbeitszeitkonten in Echtzeit. Zusatzschichten verteilt er auf Mitarbeiter mit niedrigem Saldo. 

Das System warnt, bevor gesetzliche Grenzen erreicht werden, und dokumentiert jede Stunde über die Zeiterfassung. Nach der Spitze schlägt der Plan gezielt Abbaufenster vor. Zuschlagsrelevante Stunden fließen automatisch in die Lohnabrechnung.

Häufige Fragen zu Überstunden

Verfallen Überstunden?

Ansprüche verjähren regelmäßig nach drei Jahren. Arbeits- und Tarifverträge enthalten oft deutlich kürzere Ausschlussfristen. Für Guthaben auf Arbeitszeitkonten gelten die Regeln der jeweiligen Kontovereinbarung. Im Zweifel sollte rechtlicher Rat eingeholt werden.

Sind Überstunden mit dem Gehalt abgegolten?

Nur wenn der Vertrag das klar und transparent regelt, etwa mit einer bezifferten Stundenzahl. Pauschale Klauseln ohne Begrenzung halten der gerichtlichen Prüfung häufig nicht stand.

Was passiert mit Überstunden bei einer Kündigung?

Bestehende Guthaben sind grundsätzlich auszugleichen. Ist Freizeitausgleich bis zum Austritt nicht mehr möglich, kommt eine Auszahlung in Betracht. Die Details hängen von Vertrag und Kontoregelung ab.

Wie viele Überstunden sind maximal erlaubt?

Die Grenze setzt nicht der Vertrag, sondern das Arbeitszeitgesetz über die Höchstarbeitszeit. Die konkreten Werte und Ausgleichszeiträume erklärt der Eintrag Mehrarbeit.